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Alt 12.08.2019, 12:40   #2
ursa major
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Registriert seit: 02.04.2014
Beiträge: 2.576
Standard

Hallo Janvi!

Vorab: Das ist ein etwas kompliziertes Thema. Aus verschiedenen Gründen. Vor allem aber, weil ich mir gerade nicht absolut sicher bin, ob GIMP da derzeit zuverlässig funktioniert. Ich konnte zwar im Versuch gerade nichts Besorgniserregendes feststellen, aber ich weiß, dass die 2.10er Version von GIMP anfangs einen Bug bei der Farbverwaltung hatte, die die Farbraumkonvertierung beim Öffnen von Bildern betraf. Ich vermute, dass der behoben ist, kann es aber nicht beschwören. Ich würde aber auf jeden Fall empfehlen auf die aktuelle Version 2.10.12 upzudaten.

Deine Überschrift ist ein bisschen irreführend, denn bei Deinem Problem geht es nicht um die Auflösung (die man in Pixel waagerecht x Pixel senkrecht oder dem gerundeten Ergebnis dieser Multiplikation - Megapixel - misst, was zugleich die Bildgröße eines digitalen Bildes darstellt, oder, wenn es sich um die für den Druck wichtige relative Auflösung handelt, in Pixel per Inch, bzw. "ppi", manchmal auch fälschlicherweise "dpi"), sondern um Farbmanagement. Kein Weltuntergang, aber für andere Nutzer, die wohlmöglich ein ähnliches Problem haben, wäre es natürlich hilfreicher, wenn sie den Thread auch über die Suchfunktion des Forums finden könnten.

Was Dein Problem anbelangt, hier zunächst ein Link, der vielleicht etwas hilft. Grundsätzlich ist es empfehlenswert in den Einstellungen von GIMP (Menü "Bearbeiten" > "Einstellungen") unter "Farbverwaltung" > "Regeln" zu definieren, dass beim Öffnen eines Bildes nachgefragt werden soll, ob das Bild in den aktuell definierten Arbeitsfarbraum umgewandelt, ob das enthaltene Farbprofil des Bildes beibehalten oder ob eben immer nachgefragt werden soll. In vermutlich den meisten Fällen wird man wollen, dass das Profil beibehalten wird, damit es nicht zu Farbverschiebungen kommt. In manchen Fällen wird man das aber nicht wollen. Z.B. wenn man ohnehin die Farben verändern und das Optimum an Tonwertspreizung dabei herausholen will. Daher würde ich dort immer voreinstellen, dass nachgefragt werden soll. Dann ist man da halbwegs auf der sicheren Seite.

Dann sollte man wissen, dass es verschiedene Farbprofile gibt. Farbprofile bestimmen welche und wieviele Farbabstufungen im Bild dargestellt werden können. Man kann sich das entfernt ähnlich wie bei Farbpaletten vorstellen. Nur Farben, die in diesem Profil auch darstellbar sind, können auch im Bild zu sehen sein. sRGB z.B. ist ein Farbprofil, dass für die Darstellung von Bildern auf Bildschirmen entwickelt wurde. Tatsächlich gibt es sogar verschiedene sRGB-Profile. Für den professionellen Druck sollte man die nicht verwenden. Dafür gibt es wiederum besondere Profile wie Adobe RGB 1998, ECI RGB und Colormatch RGB. Kann man sich kostenlos aus dem Netz laden und nachinstallieren. Sollte man für Print-Projekte als Arbeits-Farbraum benutzen.

Ein normales RGB-Bild (RGB steht für die drei Kanäle Rot, Grün und Blau, die Grundfarben der Lichtfarbmischung, aus denen alle Farben gemischt werden) ermöglicht pro Kanal, bei 8 Bit Farbtiefe, 256 verschiedene Abstufungen, vom reinen Schwarz = "0" bis zur voll gesättigten Farbe ("255"), also dem reinen Rot, Grün oder Blau. In der Mischung der drei Kanäle in den unterschiedlichen Abstufungen ergeben sich theoretisch alle anderen Farben. Sind alle drei Kanäle voll aufgedreht (255, 255, 255) ergibt sich Weiß. Bei drei Kanälen a 256 Abstufungen ergeben sich also 256³, also rund 16,7 Millionen Farben. Bei höheren Farbtiefen sind es entsprechend wesentlich mehr. Bei einem Graustufenbild hat man hingegen nur einen Kanal, also bei 8 Bit Farbtiefe nur 256 Abstufungen, und wiederum bei höheren Farbtiefen entsprechend mehr.

Die "Farbtiefe", in GIMP "Genauigkeit", stellt die Ausdifferenzierung der Farbabstufungen dar. Bei 8 Bit sind es, wie oben schon gesagt 256 pro Kanal. Bei 16 und 32 Bit entsprechend ein Vielfaches. Das ermöglicht z.B. bei der für den Druck nötigen Umwandlung des Farbraums in CMYK eine erheblich höhere Treffgenauigkeit bei den einzelnen Farbtönen, da die Tonwerte des RGB- und des CMYK-Farbraums nicht deckungsgleich sind und der CMYK-Farbraum auch erheblich kleiner ist.

Noch kurz woher die ominösen "256" Abstufungen kommen: Ursprünglich konnten Computer-Bildschirme mal nur zwei Farbabstufungen darstellen: Schwarz und Weiß (entsprechend den Werten "0" und "1"). Schwarz entspricht dabei einer ausgeschalteten Lichtquelle, Weiß einer eingeschalteten. Das ist eine Informationseinheit, die zwei Zustände darstellen kann = 1 Bit. Entsprechend enthalten indizierte 1-Bit-Bilder auch wirklich ausschließlich schwarze und weiße Pixel. Nichtmal Grau. Wenn man nun 8 Bit zu einer Informationseinheit kombiniert, nennt man die 1 Byte und erhält 2 hoch 8 Abstufungen, also 256. Das ist schon eine Menge mehr, aber noch nicht viel. Mit Paletten von 256 Farben arbeiten z.B. GIFs (*.gif), die früher oft genutzten "websicheren Farben" oder eben der herkömmliche Graustufen-Farbraum (für den es übrigens auch verschiedene Profile gibt). Wenn jeder der drei Kanäle über 8 Bit Farbtiefe verfügt, ergeben sich daraus, wie schon gesagt, 256³, also rund 16,7 Millionen Farben.

Nun geht es bei Dir um ein Graustufenbild, aus dem Du noch etwas mehr herausholen willst. Eine Grundregel, die man mir schon während meiner Ausbildung eingebläut hat lautet, dass auch Graustufenbilder, oder, wie man früher sagte, Schwarz/Weiß-Bilder, besser wirken, wenn sie einen minimalen Farbstich haben. Welche Farbe man dafür wählt, muss man im Einzelfall entscheiden. Meist wird ein Hauch von Sepia oder Blau bis Cyan benutzt. Jedenfalls lässt das die Bilder lebendiger wirken und macht es natürlich erforderlich, dass man das im RGB-Farbraum macht, wo man auch mehr Möglichkeiten hat aus den Bildern etwas herauszuholen. Man sollte aber wirklich nur einen Hauch, mehr eine Ahnung von Farbigkeit hinzufügen.

Übrigens habe ich gerade eben versuchsweise ein Bild im "Adobe RGB 1998"-Farbprofil mit 32 Bit Fließkomma als Tiff mit LZW-Komprimierung exportiert und dann in GIMP geöffnet. Wie vorgesehen kam zunächst die Farbprofil-Warnung, die nachfragte ob konvertiert werden solle. Als ich das ablehnte hatte das in GIMP geöffnete Bild dann auch genau die Einstellungen, die ich zuvor definiert hatte (Farbprofil und -Tiefe). Scheint also alles in Ordnung zu sein.

Ich hoffe, dass ich Dich hier nicht überfüttert habe. Es ist immer schwer den Wissensstand eines Foristen einzuschätzen. Manche sind dann pikiert, weil sie vieles schon wussten und sich nun als für doof gehalten empfinden, andere verstehen nur Bahnhof.


Edit: Was mir gerade noch zu dem oben erwähnten Bug eingefallen ist: Offenbar besteht der zumindest zum Teil immer noch, insofern als es nicht möglich ist das Bild beim Öffnen über den Farbprofil-Warnungs-Dialog in den gewünschten Arbeitsfarbraum zu konvertieren. Dort geht derzeit nur die Konvertierung in GIMPs Standard-sRGB, egal was man in den Einstellungen unter Farbverwaltung eingestellt hat. Wenn man aber auf "Beibehalten" klickt kann man das Konvertieren anschließend im Menü "Bild" unter "Farbverwaltung" > "In Farbprofil umwandeln" nachholen. Ein kleines wenig umständlicher, aber mit dem gleichen Ergebnis.

Geändert von ursa major (12.08.2019 um 13:44 Uhr)
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